April 2026
Referenz
V132
Es beginnt mit einer Einladung. 2016 lädt ein privater Bauherr mehrere internationale Studios zu einem geschlossenen Wettbewerb für ein Einfamilienhaus in einem Vorort von Vilnius. Die Gegend ist von lockerer, traditioneller Bebauung geprägt: Häuser und Sommerhäuser liegen zwischen Bäumen, umgeben von weitläufigem Grün. Auf dem Grundstück standen einst Holzhäuser aus der Zwischenkriegszeit, doch von ihnen ist nichts geblieben. In diese stille, bewaldete Landschaft sollte ein neues Zuhause gesetzt werden.
Der Entwurf von Robert Konieczny und KWK Promes nimmt diese Umgebung ernst. Ein Teil des Hauses wird um eine Ebene angehoben, sodass darunter ein Patio entsteht. Dieser Innenhof führt zusätzliches Tageslicht ins Innere und verbindet sich mit dem Wohnbereich zu einer Erweiterung des Gartens. Im angehobenen Obergeschoss liegt die private Nachtzone. Die Schlafräume öffnen sich auf eine Terrasse über dem Erdgeschoss und erlauben den Bewohnern, die Natur zu erleben, ohne ihre Privatsphäre und das Gefühl von Geborgenheit aufzugeben.
Dann verändert sich alles. 2017, noch während des Entwurfsprozesses und bevor das Studio dem Konzept überhaupt einen Namen geben kann, kommt in Litauen eine neue Regierung an die Macht und führt Vorschriften ein, welche die zulässige Grundfläche um die Hälfte reduzieren. Auch die Zufahrt wird verlegt und führt nun direkt in den Garten. Was als Einschränkung erscheint, wird zum Wendepunkt des Projekts.
Der Bauherr beginnt, nach einem neuen Standort zu suchen. Doch die Architekten überzeugen ihn, am ursprünglichen Ort zu bleiben und stattdessen die Fläche des Hauses um vierzig Prozent zu verkleinern. Aus dieser Reduktion entsteht ein dreieckiger Grundriss. Der vergrösserte Garten und der bessere Zugang zu Sonnenlicht, in dieser nördlichen Lage und im Wald besonders kostbar, werden zu Argumenten, die das Haus auf seine klare Form bringen. Der Massstab ändert sich, doch die Grundidee bleibt unangetastet.
Genau an dieser Schwelle zwischen Innen und Aussen kommt Sky-Frame ins Spiel. Die flächenbündigen Schiebeelemente lösen die Wand zum Garten auf und lassen Wohnraum und Landschaft ineinander übergehen. Wo zuvor eine Grenze war, bleibt nur noch Licht, Glas und der Blick in den Wald. Das Trim House zeigt, dass aus Beschränkung Klarheit werden kann, und dass ein Haus dann am grössten wirkt, wenn es sich auf das Wesentliche reduziert.