Sky-Frame Hauptsitz

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Gebaute Unternehmenskultur

Sky-Frame produziert elegante, hochpräzise Schiebefenster mit äusserst filigranen Rahmen für anspruchsvolle Kundinnen und Kunden. Von Anfang an war klar, dass der neue Firmensitz der Genauigkeit und Rationalität sowie den ästhetischen Ansprüchen der dort gefertigten Produkte gerecht werden musste. Zudem war, wie für Fabrikbauten typisch, Flexibilität eine Grundbedingung. Die schlanken industriellen Produktionsprozesse verlangen möglichst neutrale Hallen, damit sich die Betriebsabläufe durch entsprechende Anpassungen und bauliche Veränderungen laufend optimieren lassen. Deshalb trug das Projekt bereits im Architekturwettbewerb den Titel «Open System». Die zentrale Idee war ein additives System, das sich horizontal und vertikal erweitern und weiterentwickeln lässt.

 

Die Ausarbeitung des Entwurfs beruhte auf genauem Zuhören, um die bestehenden Betriebsabläufe zu verstehen und gemeinsam mit der Bauherrschaft zu analysieren. Die Unternehmenskultur von Sky-Frame zeichnet sich durch ausgeprägtes Teamdenken und flache Hierarchien aus. So wurde die Anlage im Verlauf der Planung kompakter und dadurch prägnanter und effizienter. Von nun an arbeiten alle unter einem Dach und hinter identischen Fassaden, nutzen dieselben Treppen und Lifte und treffen sich in derselben Cafeteria. Sämtliche Mitarbeitenden erhalten gleichwertige Arbeitsplatzsituationen mit Tageslicht, und die Produktionshallen sind mit derselben Präzision gestaltet wie die Büros und das Eingangsfoyer. Das Ergebnis ist eine gelebte und gebaute Unternehmensphilosophie, die ein Eintauchen in die Welt von Sky-Frame ermöglicht.

 

Offenheit und Konzentration

Ist man angekommen und tritt schliesslich durch eine fast bewusst unauffällige Tür in den Empfangsbereich, steht man unvermittelt mitten im Geschehen. Innerhalb des offenen Raums bildet der Empfang den Abschluss einer Reihe nicht hierarchisch angeordneter Arbeitsplätze. Das Grossraumbüro, um einen ruhigen Innenhof herum organisiert, ist in dunklen Tönen gehalten und von Offenheit und Transparenz geprägt. Die Aufmerksamkeit richtet sich nach innen auf den Hof. Das Zentrum der Aktivität ist ein Ort der Besinnung und Gelassenheit, eine Oase der Ruhe inmitten der alltäglichen Hektik, gegliedert durch eine malerische Gruppe von Felsenbirnen.

 

Am Ende des Hofs liegt die Kantine. Hier treffen sich alle Mitarbeitenden in den Pausen, und hier finden auch grössere Besprechungen statt. An den Seiten bilden Sitzungszimmer und zurückgezogene Kojen Nischen zwischen innen und aussen. Natur und Arbeitsumgebung beziehen sich aufeinander, vor allem weil alle Wände aus Glas bestehen. An dieser Stelle, und nur hier, kommen die äusserst filigranen Sky-Frame Elemente zum Einsatz. Rund um den Hof lassen sie sich unmittelbar erleben, von den Kundinnen und Kunden ebenso wie von den Mitarbeitenden, die das Produkt stets vor Augen haben und es im Gebrauch spüren. So dient die Arbeitsumgebung zugleich als Testfläche und als Showroom. Die Atmosphäre ist dabei von Eleganz und Leichtigkeit bestimmt, was einen spannungsvollen Kontrast zur rohen Stahlkonstruktion des Fabrikgebäudes bildet.

Zwei Gesichter

Das Gebäude ist klar und einfach strukturiert. Anlieferung, Fertigung und Verwaltung liegen in einem kompakten Volumen übereinander. Flankiert wird dieses von zwei mit Blech umhüllten Erschliessungstürmen. Der grössere, ein Hochregallager, unterstützt vor allem den Warenfluss; der kleinere, mit Lift und Treppe, dient Besuchenden und Mitarbeitenden. Der Vorplatz, eine Landreserve für künftige systemische Gebäudeerweiterungen, wirkt als grosszügige Zufahrt, während Anlieferung und Aussenlager hinter dem Gebäude verborgen bleiben.

 

Die verglaste Nordfassade ist vollständig transparent. Das gewährt den auf der Autobahn vorbeifahrenden Automobilistinnen und Automobilisten einen kurzen, markanten Blick ins Innere. Zugleich verdeckt ein Erdwall die Lagerfläche, dessen Wellenbewegung den Eindruck von Bewegung erzeugt. Die Eingangsseite überrascht die Besuchenden demgegenüber mit einem vertikalen Garten. Dieser verhüllt das Gebäudeinnere und schafft so eine Trennung, allerdings eine angenehme. Man fühlt sich angezogen, näher an das Gebäude heranzutreten, und wird danach der bepflanzten Fassade entlang zum Eingang geführt. Dabei begegnet man der Symbiose von Natur und Technik in der begrünten Stahlkonstruktion aus nächster Nähe und erlebt die Pflanzen auf Augenhöhe.

 

Schliesslich wird man durch eine schlichte Öffnung ins Innere geleitet. Es wird deutlich, dass das Gebäude, das man betritt, privat ist und keineswegs ein Bau, mit dem sich das Unternehmen nach aussen inszenieren will. Vielmehr wird man in den eigentlichen Charakter und in das Innere von Sky-Frame aufgenommen, jedoch erst, nachdem einen die Architektur zuvor eingestimmt hat. Die Architekten sprechen von einem «Konverter», einer Vorrichtung, die zwischen der chaotischen Aussenwelt des Industriegebiets und der von Reduktion und Präzision geprägten Welt von Sky-Frame vermittelt.

 

Der Weg von der Helligkeit des Vorplatzes führt zunächst durch einen niedrigen Eingang in ein gedämpftes Dunkel, das sich schon nach wenigen Schritten wieder aufhellt. Der Blick der Besuchenden wird nach oben gelenkt, wo aus grosser Höhe indirektes Licht einfällt und die hohen, rauen Betonwände modelliert. Auskragungen schieben sich in den vertikalen Raum und zeigen an, dass der weitere Weg zum Ziel nach oben führt.

Architektur als Identitätsträger

Es entsteht der Eindruck, in einem Gartenpavillon zu arbeiten und nicht hoch über einer Fabrikhalle irgendwo zwischen Autobahn und Industriegebiet. Verstärkt wird dieses Gefühl durch die begrünte Südfassade. Während der Blick nach Norden frei über das Naturschutzgebiet Allmend in die Thurgauer Landschaft schweift, wird er nach Süden vom grünen Vordergrund des hängenden Gartens gefasst und gerahmt. Die benachbarten Fabrikbauten bleiben dabei weitgehend verdeckt, während die Horizontalität der Simse und die horstartigen Pflanzen angenehm mit der fernen bewaldeten Hügelkette zusammenspielen. In den dunklen Wintermonaten lässt die spärliche Vegetation mehr Licht herein, im Sommer schluckt das dichte Grün das Tageslicht. Wie ein gigantischer Kalender lässt die Fassade die Jahreszeiten in das kontrollierte Innenklima der Arbeitsbereiche eindringen.

 

Auch die Fabrikhallen profitieren von diesen Qualitäten. Die Anlieferungsbereiche, die Beschichtungswerkstätten auf Eingangsebene und die Profilbearbeitung im mittleren Geschoss sind mit derselben Sorgfalt gestaltet wie das darüberliegende Büro- und Gemeinschaftsgeschoss. Von einer eigenen Galerie aus können Besuchende Einblick in die Produktionsebenen und die industriellen Fertigungsprozesse nehmen. Der Raumeindruck ist geprägt von Präzision, der kontrollierten Lichtstärke und der offen gezeigten Konstruktion, wobei sich alle Elemente bis hin zu den übersichtlich geführten Installationen zu einem markanten Ensemble fügen. Als sogenannter teilausgebauter Rohbau wirkt das Gebäude echt und robust und verspricht, auch unter der starken Beanspruchung der industriellen Produktion gut zu altern. Damit spiegelt es die Qualitätsansprüche des Unternehmens.

 

Gute Architektur braucht gute Bauherrschaften, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und langfristig zu denken. Aus dieser Perspektive ist ein Fabrikgebäude nicht einfach ein Produktionskostenfaktor, sondern ein aktives Marketingelement und vor allem eine Investition in die Arbeitsplatzqualität und die Förderung der Unternehmensidentität. Ein guter Arbeitsplatz wirkt inspirierend, schafft Vertrauen und bietet Lebensqualität. Auf diese Weise leistet die Architektur des Gebäudes einen entscheidenden und nachhaltigen Beitrag zur Unternehmenskultur.

Brise-Soleil

Der Anspruch von Sky-Frame ist im Leitsatz «A view, not a window» verdichtet. Tatsächlich gibt es im Gebäude keine Fenster, sondern verschiedene Formen von Aus- und Durchblicken. Grenzen aufzulösen ist allerdings nur dann ratsam, wenn das Gegenüber Reiz besitzt. Beim Industriegebiet mit seinen mitunter allzu nachdrücklichen Bauten trifft das nur bedingt zu, weshalb es vorzuziehen ist, die Blicke in die unmittelbare Umgebung abzumildern. Zudem benötigen die Arbeitsplätze nach Süden Sonnen- und Blendschutz. Die Lösung dieser Anforderungen war die Entwicklung einer beschattenden Schicht vor der Glasfassade.

 

Räumlich inspiriert wurde dieses Brise-Soleil vom Hochhaus COPAN von Oscar Niemeyer in São Paulo. Es verbindet die Sinnlichkeit eines vertikalen Gartens mit der konstruktiven Einfachheit eines Schweizer Blumenkastens. Diese Elemente ziehen sich wie Lamellen über die gesamte Länge der Südfassade und erzeugen ein einheitliches, horizontal gegliedertes Erscheinungsbild.

Konzept

Die Bepflanzung der Simse erfordert minimalen Unterhalt, ist aber dennoch vielfältig, sodass sie das ganze Jahr über attraktiv bleibt. Gräser, robuste strukturbildende Stauden und zarte, akzentuierende Blüten bilden eine wiesenartige Vegetation. Durch die feine Struktur dringt das Licht wie durch Wimpern ins Gebäude und erzeugt im Gegenlicht einen reizvollen Eindruck.

 

Für die 13 übereinander angeordneten Simse wurden zwei Vegetationstypen entwickelt. Vier Ebenen mit überwiegend blühenden Stauden setzen Akzente und gliedern die Fassade vertikal. Das Erscheinungsbild dieser Farbbänder wird von Pflanzen mit markantem Habitus und kräftigen Blütenfarben bestimmt (u. a. Echinacea, Lythrum und Sedum). Die Grundstruktur der Wiesenbänder besteht aus sechs Gräserarten, die mit ihren unterschiedlichen Wuchsformen und Blattfarben einen fein variierenden Vorhang bilden, durchwoben von den zarten, punktförmigen Blüten der Begleitpflanzen.

 

Auch im Winter erfreuen die festen, trockenen Halme und Blütenstände das Auge und ergeben mit Tau, Nebel und Raureif ein reizvolles Bild. Zusätzlich enthält jeder Trog eine farbige Grundmischung verschiedener Geophyten, die bereits früh im Jahr austreiben und die ersten Farbtupfer setzen. Sie prägen die Bepflanzung bis weit in den Mai hinein, bevor Begleitpflanzen und Gräser sie ablösen.

Bepflanzung

Die Vegetation des Brise-Soleil wird über sechs Monate in Pflanzkästen vorkultiviert. Die Jungpflanzen werden anhand farbiger Etiketten in 1.800 nummerierten Töpfen ausgelegt und anschliessend von Gärtnerhand gepflanzt. Während der Kultivierungsphase standen die Pflanzkästen im Freien und waren der Witterung vollständig ausgesetzt, wurden aber mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Vor der Montage wurden die Kästen mit 21 Zwiebelarten bepflanzt, darunter Narzissen, Iris-Arten und verschiedene Tulpensorten.

Technik

Die 13 Simse bestehen aus vorgefertigten Stahlwannen, die von der Tragkonstruktion getragen werden. Das Vegetationsmaterial in diesen Stahlbehältern wird zu durchgehenden Pflanzenverbünden zusammengeführt, verbleibende Lücken werden mit Substrat aufgefüllt und bepflanzt. Das verwendete Substrat ist rein mineralisch und leicht. Es sorgt für gute Durchlüftung und baut sich mit der Zeit nicht ab.

 

Das Wasser wird pro Ebene über einen einzigen Ablauf geführt, weshalb die Stahlwannen absolut horizontal verlegt sind. Eine Drainageplatte am Boden der Wanne reguliert den Wasserhaushalt des Substrats und führt überschüssiges Wasser ab. Die Drainageschicht ist mit einer automatisch gesteuerten Bewässerungsleitung ausgestattet, die die Bepflanzung mit Wasser und bei Bedarf mit Nährstoffen versorgt. Jede Wanne enthält ein Kontrollrohr, über das der Wasserabfluss geprüft werden kann. Ablauf und Überlauf befinden sich an den beiden Enden jeder Ebene, wobei der Überlauf das überschüssige Wasser in die Kanalisation leitet.

 

Eine Programmsteuerung reguliert die Wasserzufuhr, indem sie die Niederspannungs-Magnetventile an jedem Sims automatisch öffnet und schliesst. So lässt sich die Bewässerung jeder Ebene einzeln steuern.