Studio Cottage

Manche Orte tragen ihre Geschichte wie eine zweite Haut. Studio Cottage in Cirencester, am Rand der Cotswolds Area of Outstanding Natural Beauty gelegen, ist ein solcher Ort. In den 1930er-Jahren entwarf der Arts-and-Crafts-Architekt Alfred Hoare Powell die Fachwerkgebäude als Sommersitz und Keramikstudio – ein Rückzugsort, an dem er gemeinsam mit seiner Frau Louise Wedgwood-Keramik gestaltete. Fast ein Jahrhundert später erzählt dieses Ensemble eine neue Geschichte: die einer behutsamen Transformation, in der Glas zum verbindenden Element zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird.

Die Aufgabe war ebenso anspruchsvoll wie diffizil. Zwei weitgehend verfallene, denkmalgeschützte Holzbauten – ein Cottage und ein strohgedecktes Studio – sollten zu einem einzigen Familienhaus zusammengeführt werden, ohne ihren historischen Charakter zu verlieren. Die Architektin Rebecca Milton entwickelte als damalige Eigentümerin die ursprüngliche Entwurfsvision und sicherte die denkmalpflegerische Genehmigung. Eine historische Fotografie, die belegte, dass die beiden Gebäude einst physisch verbunden waren, wurde dabei zum entscheidenden Schlüssel. Ashton Architecture übernahm 2020 die Weiterführung bis zur Fertigstellung und schuf gemeinsam mit dem neuen Eigentümer ein Werk, das kürzlich mit einem RIBA Regional Design Award ausgezeichnet wurde.

Das Herzstück der Transformation ist ein verglaster Verbindungsbau mit rahmenlosen Schiebefenstern von Sky-Frame – eine zeitgenössische Struktur mit eigens entwickelter, geknickter Geometrie, die den beiden Fachwerkstrukturen folgt, statt sie zu dominieren. Licht und Wärme strömen in das ehemals unbewohnbare strohgedeckte Studio, die nutzbare Fläche wächst auf 235 Quadratmeter. Ein Eingriff, der bei einem Gebäude von solcher historischen Bedeutung nahezu unmöglich galt.

Die sorgfältige Freilegung verborgener Schichten offenbarte Überraschungen, die nur Geduld und Hingabe zutage fördern. Hinter alter Verkleidung kamen originale Türöffnungen und Fenster zum Vorschein. Ein grosses, verdecktes Fenster an der Nordseite wurde wiederhergestellt und gibt dem doppelgeschossigen Wohnbereich im Cottage seine ursprüngliche Grosszügigkeit zurück. Die kreosotgeschwärzten Holzverkleidungen wurden abgeschliffen, übermaltes Mauerwerk freigelegt – eine behutsame Rückkehr zu natürlicheren, helleren Oberflächen, die den Räumen eine neue Leichtigkeit verleihen

Abseits der historischen Gebäude, von alten Bäumen und Hecken abgeschirmt, ergänzt ein neues Nebengebäude das Ensemble. Seine Architektur – ein Arrangement satteldachiger Volumen aus offenfugigem Cotswold-Stein und verzinktem Wellblech – antwortet auf die Umgebung mit eigenständiger Haltung. Verzinkte Türen und Fenster sowie holzverkleidete Schiebetüren, deren Mechanismen bewusst sichtbar bleiben, verbinden handwerklichen Ausdruck mit funktionaler Klarheit. Gästezimmer, Homeoffice und Nebenräume finden hier ihren Platz, ohne die denkmalgeschützte Substanz zu belasten.

Was Studio Cottage auszeichnet, geht über architektonische Einzelleistungen hinaus. Es ist das Zusammenspiel: die Leidenschaft von Projektarchitekt John Ashton, das Fachwissen lokaler Handwerker, die Vision einer Bauherrin, die jahrelang in einem Wollhut schlief, um das Wesen dieses Ortes zu begreifen, bevor sie ihn weitergab. Und nicht zuletzt die Überzeugung, dass zeitgenössische Glasarchitektur nicht gegen die Geschichte arbeitet, sondern ihr eine neue Dimension eröffnet. Der Verbindungsbau mit rahmenlosen Schiebefenstern von Sky-Frame steht dafür exemplarisch: eine Transparenz, die Innen und Aussen, Alt und Neu, Erinnerung und Gegenwart in einem einzigen, klaren Blick vereint.