August 2020

Haus am Weinberg, CH

Das Haus steht als Solitär auf einer grosszügigen Wiese, welche den oberen Abschluss eines Weinberges bildet. Eine Raumabfolge aus Entrée, Halle und Aussenhof inszeniert die übergeordnete Achse Richtung Weinberg und See und bildet den Auftakt der symmetrischen Grundrissorganisation. Architekturgeschichtlich lange Zeit dominierend, kommt die symmetrische Villa in den letzten Jahrzehnten oft nur noch als neoklassizistisches Imitat daher. Das Haus am Weinberg versucht den Beweis zu erbringen, dass diese spezifische Raumorganisation nach wie vor seine Berechtigung hat und zeitgenössisch umgesetzt werden kann.

Der Neubau besetzt ein Feld von 24x20m und reagiert auf jede Seite mit einem Einschnitt im Volumen. Strassenseitig wird das Volumen mittig eingeschnitten und bildet so einen gedeckten Vorbereich als Auftakt der Erschliessung. Die beiden seitlichen Fassaden, welche sich auf die grosszügigen Wiesenflächen orientieren, erhalten je eine kleine Loggia. Richtung Weinberg und Zürichsee erfolgt die grösste Zäsur des Volumens. Eine drei Meter tiefe, gedeckte Veranda vergrössert sich in der Achse des Gebäudes zu einem halbgeschlossenen Hof, in welchem ein Solitärbaum von einer vertieften Aussenlounge umrahmt wird. Dieser Hofraum bildet den Abschluss einer Reihe von symmetrisch ausgerichteten Repräsentationsräumen, welche die gesamte Tiefe des Hauses bereits beim Eintritt erlebbar machen.

Die überhohe Halle ist das Zentrum des Hauses und wichtigster Aufenthaltsort der Familie. Von diesem Raum aus führen zwei Erschliessungsschlaufen als Rundlauf jeweils ins Ober- sowie ins Untergeschoss. Die beiden Schlaufen erschliessen die wichtigsten Räume und lassen ein unendliches durchschreiten des Hauses zu. Die gewählte Raumkonfiguration bildet klare Zonierungen, schafft aber zeitgleich spannende Sichtbezüge und Enfiladen.

Die naturnahe Materialisierung aus erdigem Kratzputz, wird von einem Skelett von filigranen Glasfaserbetonelementen zusammengehalten. Ein einheitliches Fenstermodul bespielt die verschiedenen Fassadenbereiche. Die zweiteiligen Schiebefenster sind als Minimalprofilverglasungen ausgebildet und lassen sich bei den gedeckten Bereichen komplett in einer Wandtasche versorgen. Innenraum und Veranda verschmelzen zu einer Einheit und schaffen in den warmen Sommermonaten eine zusätzliche Qualität. Im Innern dominieren eingefärbter Kalkputz, Eichenparkett und Naturstein.

Architektur: Think Architecture

Fotografie: Simone Bossi