Februar 2021

Giovanni, CH

Das Einfamilienhaus mit einer 2.5 Zimmer Einliegerwohnung befindet sich in einer Wohnzone von Uitikon. Das disparate Umfeld mit Ein- und kleinen Mehrfamilienhäusern aus allen Dekaden ab den 1950er Jahren, machen eine Bezugnahme auf Vorhandenes hinfällig. Der Bauherrschaft mit italienischen Wurzeln war es ein Anliegen, die Parzelle maximal auszunutzen. Weitere wichtige Aspekte sind die Flexibilität der Nutzung, die Privatsphäre, die Aussicht und der Anspruch an Repräsentation bei beschränktem Budget. Ein Haus im Geiste eines Palazzo.

Wesentliches Merkmal eines Palazzo ist das Piano Nobile. Durch die Lage im Obergeschoss wirkt es vornehm und erhaben und bietet gleichzeitig eine ausreichende Privatsphäre. Die Differenzierung der Proportionen, wie z.B. die höheren Fenster, weisen auf die repräsentative Nutzung hin. Die Gliederung des Baukörpers greift traditionelle typologische Elemente auf, welche in eine zeitgemässe Sprache übersetzt werden: Die Gesimse aus Ortbeton variieren je nach Repräsentationsgrad in Höhe und Breite. Beim Vordach und bei der Terrasse greifen die Bänder aus und verleihen der schlichten Geometrie des Baus zusätzlich Substanz und eine skulpturale Präsenz. Die Gesimse werden von vorfabrizierten Betonpfeilern getragen. Kapitelle im Bereich des Piano Nobile verweisen auf dessen Stellenwert. Ein weiteres Merkmal eines Palazzo ist der punktuelle Einsatz der Mittel: repräsentative Räume werden veredelt, untergeordnete Räume hingegen zurückhaltend ausgestattet. Diese Herangehensweise wurde auch aufgrund des limitierten Kostenrahmens verfolgt. 

Im wohlproportionierten Eingangsraum werden die Besucher empfangen. Eine einladende Wendeltreppe führt ins Piano Nobile. Oberhalb der Treppe liegt die Diele mit Bibliothek, von welcher die überhohen Wohnräume erschlossen sind. Der Aussenraum erstreckt sich als Schicht vor den Wohnräumen und verzahnt sich mit diesen. Die Privat – und Nebenräume sind auf der Nordseite des Gebäudes angeordnet. Trotz der Bescheidenheit, verfügen auch sie über räumliche Qualität: Entlang der freien Fassade kann das Gebäude komplett durchschritten werden, was eine grosszügige Erscheinung bewirkt und eine flexible Nutzung erlaubt. Die Materialisierung reagiert auf die Nutzung. Die privaten Räume sind mit einfachen Materialien wie Linoleum und gestrichenen Brüstungsverkleidungen versehen. Die Brüstungen der repräsentativen Räume sind mit Eiche verkleidet, die Böden mit römischem Travertin belegt. Diesen hat der Bauherr selbst im Steinbruch ausgesucht und in die Schweiz importiert.

Architektur & Text: Marazzi Reinhardt

Fotografie: Ladina Bischof