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Sky-Frame
September 2018

Haus im Aargau, Endres Architekten

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Die Aufgabe

Die Bauherrschaft, eine Familie mit zwei Kindern, wohnte bereits zuvor in einem Einfamilienhaus in der gleichen Gemeinde und konnte das Grundstück mit einem bestehenden Gebäude aus den 1970er Jahren kaufen. Der Wunsch an die Architekten war ein gleichermassen repräsentativer wie auch gemütlicher Neubau für die vierköpfige Familie mit eigenständigen und gut getrennten Bereichen für Kinder und Eltern, vor allem aber auch mit einem grosszügigen Wohn- und Essbereich für Familie und Gäste. Der Garten sollte ebenfalls Teil der Wohnlandschaft sein und verschiedene Qualitäten und Sitzplatzsituationen bieten.

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Die Architektur und die ortsbauliche Setzung

Die ca. 880 m2 grosse Parzelle liegt einem ruhigen heterogenen Einfamilienhausquartier in einer kleinen Gemeinde im Kanton Aargau. Umgeben von Wohnhäusern verschiedener Grösse, unterschiedlichen Entstehungszeiten und folglich dementsprechend unterschiedlichen Stilrichtungen grenzt das Grundstück von Nordosten bis Süden an eine rundverlaufende Gemeindestrasse und im Nordwesten an die Landwirtschaftszone. Das Terrain war bereits für den Vorgängerbau terrassiert worden und bot, trotz der eingeschossigen Höhendifferenz, die Möglichkeit für einen grosszügigen, weitestgehend ebenen Garten. Der zweiseitige Anschluss an die Strasse ermöglichte zudem die Tiefgarageneinfahrt im Untergeschoss und den Hauptzugang im Erdgeschoss ganz selbstverständlich und ohne grosse Rampen oder Treppenbauten zu erschliessen. Die Bauherrschaft wünschte sich anfangs ein Attikageschoss, vor allem wegen der noch besseren Aussichtslage im obersten Stockwerk. Wir Architekten konnten sie aber schlussendlich davon überzeugen, dass ein zusätzliches Geschoss diverse Nachteile mit sich bringt: Neben der baurechtlich bedingten limitierten Fläche im Attikageschoss war vor allem das Wohnen auf vier Ebenen, mit den damit verbundenen langen Wegen, das ausschlaggebende Argument gegen eine zusätzliche Etage.

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Der 2-geschossige Hauptbauköper, der sich auf dem ebenen Gartenniveau erhebt, hat eine, sich nach Süden öffnende, L-förmige Grundform. Das Obergeschoss ragt dabei an den beiden Enden des L's um 3.0 m über das Erdgeschoss hinaus wodurch sich insgesamt vier Loggias ergeben. Die Loggias in den oberen Geschossen sind mittels Wandscheiben und Betonlamellen räumlich gefasst; im Erdgeschoss entfalten die Auskragungen ihr dramatische Wirkung und verstärken den Eindruck, des in die Landschaft ausgreifenden Gebäudekörpers. Die Loggien bzw. überdeckten Terrassen bieten den einzelnen Wohnräumen jeweils eigene, individuelle Aussenräume. Das zusätzlich gewünschte Grillhaus wurde als eigenständiges geometrisches Element in die südöstlichen Bereich des Gartens positioniert. Die ovale Grundform rührt vom elliptischen Strassenverlauf her, womit die Baute möglichst im Randbereich des Gartens errichtet werden konnte. Durch eine geschickte Gartengestaltung, einem organisch verlaufenden japanischen Garten, wurde die ovale bzw. elliptische Form des Grillhauses nochmals aufgegriffen und somit ganz selbstverständlich in das Gesamtkonzept integriert.

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Die innere Organisation

Das grosszügige Einfamilienhaus ist auf insgesamt drei Ebenen organisiert. Im Untergeschoss befindet sich neben der Tiefgarage für 5 Personenwagen, den Keller- und Technikräume auch ein privater Eingangsbereich. Des weiteren sind dort, durch zwei Tiefhöfe belichtete, Arbeits- und Wohnräume sowie ein Fitness- und Wellnessbereich untergebracht. Im Erdgeschoss liegt der Haupteingangsbereich, der vorwiegend von Gästen genutzt wird, sowie die Schlafzimmer der Familie. Die beiden gleichgrossen, gespiegelten Kinderzimmersuiten im Südosten verfügen jeweils über ein eigenes En-Suite Duschbad und werden über einen gemeinsam genutzten, separaten Vorbereich, der als Arbeitsplatz genutzt wird, erschlossen. Die Räume öffnen sich mittels raumhoher Glasschiebetüren zu einer grossen, gedeckten Terrasse und zum daran anschliessenden, eher introvertierten Teil des Gartens. Der Kinderbereich ist so geplant, dass er zu einem späteren Zeitpunkt als Einliegerwohnung mit separatem Eingang umgenutzt werden kann. Der Elternbereich im Südwesten des Erdgeschosses öffnet sich mit dem Hauptschlafzimmer mittels einer nahezu rahmenlosen Übereckverglasung zur grossen Terrasse mit Pool. Erschlossen wird der Elternbereich über eine grosse Ankleide, von der das Hauptschlafzimmer und das Badezimmer abgehen. Diese Anordnung der Räume garantiert auch bei unterschiedlichen Tagesrhythmen einen ungestörten Ablauf. Der Ankleide und dem Hauptschlafzimmer ist, ähnlich wie den beiden Kinderzimmern, ein gedeckter Aussenbereich unter dem auskragenden Obergeschoss vorgelagert.
 

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Im Zentrum des Erdgeschosses steht die zweigeschossige Halle, die den Blick beim Betreten des Hauses in die lichtdurchflutete Hauptwohnebene im ersten Obergeschoss lenkt. Auskragende holzverkleidete Stufen führen den Besucher des Hauses von der farblich eher dunkel gehaltenen Eingangssituation in die hellen, verglasten Hauptwohnräume des Hauses. Hier fungieren die Treppe mit Luftraum und der Lift- und WC-Kern als eine Art Gelenk um den sich die einzelnen Wohnbereiche anordnen. Im Südosten befindet sich der Koch- und Essbereich in dessen Mittelpunkt sich der ovale Esstisch und die 4.60 m lange Kochinsel befinden. Der Essbereich öffnet sich seitlich zu einer grossen Loggia, die mittels einer Aussentreppe mit dem Garten im Erdgeschoss verbunden ist. Zudem lässt sich die grosse 3-teilige Glasfront des Koch- und Essbereichs Richtung Südwesten auf 2/3 der Länge motorbetrieben zur Seite schieben. Die Grenze zwischen Innen- und Aussenraum wird damit fast gänzlich aufgehoben. Der klassische Wohnbereich ist im Nordwestteil des Obergeschosses untergebracht und wird mit einem grossen Gas-Cheminées in einen Salonbereich und ein Fernsehzimmer unterteilt. Der Salon mit der vorgelagerten Terrasse liegt im Innenwinkel der beiden Gebäudeflügel und schaut, ähnlich wie der Essbereich, über den Garten und den Pool hinweg in das Dorf und die Landschaft.

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Die Umgebung

Die Bauherrschaft war vom vorherigen Haus eine grosszügige Terrasse gewohnt, die in verschiedene gedeckte und ungedeckte Zonen gegliedert war und wünschte nun eine ähnlich vielfältige Gartenlandschaft mit verschiedenen Aufenthaltsqualitäten. Das bereits erwähnte vorhandene Gartenniveau wurde von uns durch zwei Tiefhöfe ergänzt, die, zusammen mit den gedeckten Sitzplätzen des Hauses, auf zwei Ebene einen abwechslungsreichen Garten- und Aussenraum bilden. Der ovale, dem Strassenverlauf abzeichnende Grillpavillon, wurde geschickt in einen organisch geformten, japanischen Steingarten intergriert. Der an der Gartenkante positionierte Pool vergössert den Garten optisch und öffnet den Blick nach Südwesten. Die Böschungen und Grundstücksgrenzen wahren mit blickdichten Hecken und Büschen die Privatheit der Parzelle. Die offenen Räume unter der Auskragung vermitteln dem ganzen Garten eine
Grosszügigkeit und verleihen dem Gebäude eine nahezu schwebende Wirkung, verzahnen es aber auch mit der direkten Umgebung. In der Dämmerung sorgen die Beleuchtung des Pools und einzelner Bäume und Büsche für ein mystisches Licht im ganzen Garten.

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Die Materialisierung

Der scharf geschnittene Baukörper wurde in Ammocret-Kalksteinbeton als Sichtbetonfassade realisiert. Der Beton wurde auch für die diversen Stützmauern, die Tiefhöfe und den Pool verwendet und ergänzt durch beige Natursteinplatten und Kalksteinblöcke. Beim Ammocret Beton handelt es sich um einen speziellen Sichtbeton mit Kalkstein anstatt gewöhnlichem Flusskies. In Verbindung mit beigem Sand und Weisszement ergibt sich ein warmer beiger Farbton der Sichtbeton-Oberflächen. In der Innenraumgestaltung wurden dazu warme Erd- und Schlammtöne, aber auch kräftige dunkle Farben eingesetzt um eine harmonische Wohnatmosphäre zu kreieren. Die grossen Glasflächen, die von Anfang an als Schiebesystem angedacht war wurde mit der Firma Sky-Frame verwirklicht, mit der wir schon einige Projekte realisieren durften. Die schlanken Profile von Sky-Frame ermöglichen uns den Übergang von Innen & Aussen nahezu verschwinden zu lassen.

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Das Fazit

Unsere Entwürfe sollen klare, einfach Statements sein. Diese Klarheit ist in der Ausführung oft komplex und muss in allen Details gelöst werden. Wir verwenden viel Zeit darauf klare Räume und Gebäude zu entwerfen, die sich mit der jeweiligen Umgebung verzahnen und immer wieder Bezüge
zwischen Innen und Aussen herstellen. In der Bauherrschaft haben wir den idealen Auftraggeber gefunden, der mit viel Gespür und Engagement ebenso zum Gelingen des Hauses beigetragen hat, wie alle Beteiligten.

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Architektur: Endres Architekten

Fotografie: Andrin Winteler

Text: Steffen Jesberger